Rede zur Nominierung als Direktkandidatin für den WK 18

Liebe Genossinnen und Genossen,
ihr habt bereits zwei Kandidatinnen und 1 Kandidaten für Potsdam Mittelmark nominiert und ich freue mich das ich mich für den 4. Wahlkreis – WK 18 – bei euch bewerben darf. Ich weiß, dass es erstmal komisch ist, das hier jemand vor euch steht, der gar nicht in diesem Wahlkreis lebt. Dennoch habe ich schon sehr viel von den Kommunen sehen können, die er umfasst.

Als Wahlkreismitarbeiterin von Anke Domscheit-Berg konnte ich sie auf verschiedenen Terminen begleiten und spannende Einblicke die Arbeit von sozialen Trägern und Unternehmen vor Ort erhalten. Vom Coworking space bis zum Biobauernhof war vieles dabei. Sie eint allerdings ein Anliegen an die Politik, den Erhalt und den Ausbau der Infrastruktur, die sie für ihre Arbeit benötigen. Damit meine ich zum eine Verkehrsanbindung, besonders durch ÖPNV und Radwege, aber eben auch die digitale Infrastruktur. Glasfaser bis ins Haus. Das ist die Zukunft. Da stockt es aber gerade an vielen Ecken. Deutschland liegt auf Platz 25 im weltweiten Vergleich, hinter Staaten wie Rumäninnen. Brandenburg liegt als Bundesland auf Platz 12 von 16. Auch das ist ausbaufähig. Schaut man sich den Breitbandatlas an so sieht man, das das Netz besonders im Speckgürtel dicht ist um so weiter man sich entfernt umso schlechter ist der Netzausbau. Um aber so tolle Projekte wie Coco.Nat hier herzulocken und zu halten müssen wir uns dafür einsetzen das beide Infrastrukturen vorangebracht werden. Das macht die Region lebenswert und interessant sowohl für junge Unternehmen als auch für Familien. Ich sehe in der Region so viel Potenzial und würde gerne dabei mithelfen diese Potenziale mit auszuschöpfen.
Ich glaube das ich nicht die herkömmlichste Politikerin bin, ich bin direkt, ich nutze die sozialen Medien aktiv und versuche Themen möglichst verständlich rüber zu bringen. Auch wenn es um so etwas Komplexes wie die Digitalisierung geht. Letztendlich will ich Menschen die Angst davor nehmen und sie ermuntern mitzugestalten als sich zu verweigern. Wenn wir nicht mitgestalten dann wird es nur im Sinne der Konzerne und des Kapitals umgesetzt. Dabei bietet die Digitalisierung auch viele Chancen. Aus Angst diese nicht zu erkennen sehe ich als falschen weg. Der kritische Blick ist wichtig und die Ermächtigung der Menschen auch kritisch mit den digitalen Entwicklungen umzugehen.
Warum sollte ich aber gerade die richtige dafür sein? Mein Lebenslauf ist keine gerade Linie, die auf ein Landtagsmandat oder dergleichen hingelaufen ist und läuft. Ich bin in Premnitz (Havelland) geboren in einer Stadt, die stark geprägt war von der Deindustrialisierung. Das Chemiefaserwerk dort wurde in großen teilen dicht gemacht und viele Menschen verloren ihre Arbeit und auch ihre Hoffnung. Die Anbringung, an die nächst größerem Orte war schlecht und das Angebot in der kleinen Stadt für einen jungen Menschen überschaubar. Als Kind von einem Klempner und einer Altenpflegerin, beide Berufe, die viel zu schlecht entlohnt sind, habe ich früh gelernt das meine Möglichkeiten beschränkt sind. Egal wie viel meine Eltern arbeiten, sind wir immer nur so über die Runden gekommen. Schon als jugendliche habe ich das als zutiefst ungerecht empfunden. Wie kann es sein das meine Eltern so wichtige gesellschaftliche Tätigkeiten machen, ständig Überstunden machen und wir uns dennoch kaum einen Urlaub leisten können? Die Antworten fand ich später in Bücher der politischen Theorie als ich Politikwissenschaften und Geschichte studierte, ja auch ich habe Marx gelesen. Trotzdem hat mich der Duktus der Gruppe, bei der ich dies das erstmal Tat abgeschreckt. Als Arbeiterkind, kannte ich viele Begriffe einfach nicht und kam mir dumm vor. Die fehlende Bildung wird zum individuellen Versagen gemacht. Heute weiß ich, dass es den meisten Kindern aus Familien mit geringen Bildungshintergrund so geht. Es hat mich dennoch dazu veranlasst mir nie diesen Duktus anzueignen und lieber mehr „blöde Fragen“ zu stellen, um Leute auf ihre Blinden Flecken hinzuweisen.
Meinen Eltern war es früher oft peinlich, dass ich immer gesagt habe was ich gerade denke. In einer kleinen Stadt spricht sich alles schnell herum. Als mein Vater mit meinem jüngeren Bruder zu Hause blieb, war Anlass für allerlei gehässige Aussagen. Meine Mutter fühlte sich schlecht, weil sie so viel arbeitet trotz ihrer drei Kinder, mein Vater konnte sich blöde Sprüche anhören, weil er die Weiberarbeit machte. Was natürlich aus ökonomischem Zwang heraus von meinen Eltern gewählt wurde, ist für mich eine der ersten Erinnerungen wo Rollenklischees schmerzhaft werden. Feminismus oder Geschlechtergerechtigkeit lernte ich als Begriffe erst später an der Uni kennen, doch sie passten im Rückblick auf viele Erlebnisse. Warum muss das so sein? Ich möchte das jeder Familie selbst entscheiden kann was für sie am besten ist und wie sie zusammenleben wollen.
Geschlechtergerechtigkeit ist für mich zu einem zentralen Thema geworden, denn ich glaube nicht das wir, als Linke die Augen davor verschließen können das der Kapitalismus vom Patriarchat profitiert. Frauen arbeiten viele Stunden unbezahlt und oft auch bei der Lohnarbeit für weniger. Berufe die „typisch weiblich“ sind, werden durchschnittlich schlechter bezahlt und mehr Frauen sind am Ende dann von Altersarmut betroffen. Ich halte es also für ein zutiefst linkes Thema gegen die

1. Gratulantin war Keisvorsitzende Astrit Rabinowitsch

sen Missstand etwas zu tun.
Dennoch und das sage ich nochmal mit aller Entschiedenheit bin ich nicht „bloß“ eine Feministin. Das Thema Digitalisierung, das ich eingangs bereits aufgemacht habe ist für mich ebenso zentral. Diese zwei Schwerpunkte wirken erst einmal unvereinbar, sind aber gar nicht so unterschiedlich. In beiden Bereichen geht es darum sich und andere zu ermächtigen, als mündige Frau und als mündige Nutzer*inn der Technik, beide ist durch den Hass der besonders Frauen im Netz begegnet miteinander verknüpft, beide Themen werden oft als Randthemen dargestellt, obwohl sie einen großen Teil der Bevölkerung betreffe UND beide Themen sind zukunftsgerichtet, gestaltend. Ich möchte zusammenleben neu denken, sowohl in der Kommune hier vor Ort als auch im Land.
Ich würde mich freuen, wenn ihr mir dazu heute euer Vertrauen aussprecht und mich zu eurer Kandidatin im Wahlkreis 18 macht.

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